Stellten die Pläne der Hansestadt Stade für 2022 vor: Der Verwaltungsvorstand, bestehend aus Stadtbaurat Lars Kolk, Bürgermeister Sönke Hartlef und Erstem Stadtrat Dirk Kraska (v.l.n.r., mit Ortsschild), sowie der Leiter des Vorstandsbüros, Sascha Middeke, und die Fachbereichsleiter*innen Birgit Pergande, Nils Jacobs, Jens Bossen und Claus-Sören Torborg (v.l.n.r.)© Hansestadt StadeDiese große Herausforderung war immer wieder Gegenstand der Erläuterungen der einzelnen Fachbereichsleitungen, wurde aber direkt zu Beginn von Bürgermeister Sönke Hartlef offensiv angesprochen: „Der Fachkräftemangel wird nicht nur die große Herausforderung für die Zukunft – er hat die Stader Stadtverwaltung bereits erreicht. Dabei haben wir als relativ große Verwaltung in der Region noch Vorteile gegenüber kleineren Kommunen.“ Der Fokus der rund eineinhalbstündigen Vorstellung lag dann auch auf Themen wie Klimaschutz, Stadtentwicklung und der Situation im Bildungsbereich – in Bezug auf Kindertagesstätten und Schulen.
Diese Themen wurden von den Fachbereichsleitungen der Stader Stadtverwaltung besonders hervorgehoben:
Fachbereich I: Zentrale Dienste, Ordnung und Standesamt (Leitung: Tjorven Plate)
In Abwesenheit von Tjorven Plate ging Bürgermeister Sönke Hartlef vor allem auf die Themen Mitarbeiterbindung und -gewinnung ein. „Das Personal ist unsere wichtigste Ressource“, machte Hartlef deutlich, der als Bürgermeister Kopf der 736 Mitarbeitenden starken Verwaltung ist. Für 2022 sollen 50 neue Stellen geschaffen werden, davon 39 im Kita-Bereich. „Ich befinde mich gerade in Gesprächen mit der Politik, ob wir in diesem Jahr sogar 57 Stellen schaffen“, so Hartlef. Nötig ist das auch, um den sich bereits abzeichnenden Anstieg an Abgängen in den Ruhestand entgegenzuwirken. „Wenn wir das nicht machen, müssen die Bürgerinnen und Bürger sich irgendwann darauf einstellen, dass wir als Verwaltung unsere Dienstleistungen nicht mehr in dem Umfang anbieten können, wie wir es derzeit tun“, erklärte Stadtbaurat Lars Kolk. Weitere Aufgabe des Fachbereichs I ist die Digitalisierung, vor allem mit Blick auf das Onlinezugangsgesetz, das vorschreibt, dass ab dem kommenden Jahr die Dienstleistungen der Verwaltung auch digital angeboten werden müssen. „Das bedeutet, dass wir noch stärker digitale Kompetenzen erwerben müssen“, so Hartlef.
Fachbereich II: Finanzen und Wirtschaftsförderung (Leitung: Claus-Sören Torborg)
Fachbereichsleiter Claus-Sören Torborg, in dessen Zuständigkeit die Aufstellung des Haushalts der Hansestadt Stade sowie die Wirtschaftsförderung liegen, führte durch seine vielfältigen Projekte. Mit ganz oben auf seiner Agenda steht dabei die Übertragung der städtischen Anteile an der Elbe Kliniken Stade-Buxtehude gGmbH an den Landkreis Stade. Daneben schreitet das Vorhaben des ITZ Nord voran, des Innovations- und Technologiezentrums für die Luftfahrt und Schifffahrt, das Stade gemeinsam mit Hamburg und Bremen/Bremerhaven auf den Weg bringen soll, um Wasserstoffanwendungen in der Mobilität zu erforschen. 70 Millionen Euro stellt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) dafür zur Verfügung. Desweiteren soll das Konzept zur Weiterentwicklung der Wirtschaftsförderung der Hansestadt Stade überarbeitet werden und in der sogenannten AG Aufgabenkritik geht es unter anderem darum, interne Arbeitsabläufe zu optimieren. „Außerdem beschäftigen wir uns mit Nutzungsverbesserungen von städtischen Immobilien“, führte Torborg weiter aus und meinte damit beispielsweise mögliche Umnutzungen und Veräußerungen.
Fachbereich III: Stadtentwicklung und Infrastruktur (Leitung: Nils Jacobs)
Hatte Stade 2019 noch knapp 50.000 Einwohner*innen, werden es 2030 bereits mehr als 52.000 sein. Die Hansestadt wächst also. „Die Gründe dafür sind die im Bau befindliche Autobahnanbindung nach Hamburg, generell die Nähe zu Hamburg, aber auch die Tatsache, dass Stade attraktiv zum Wohnen und Arbeiten ist“, machte Nils Jacobs, Leiter des Fachbereichs III, deutlich und fügte hinzu: „Der Zuzug hält Stade jung. Das ist wichtig, auch mit Blick auf die Bereitstellung der sozialen Infrastruktur, von Kitas und Schulen beispielsweise.“ Um diesen Bevölkerungszuwachs klug zu managen, erarbeitet Jacobs derzeit ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept und einen Verkehrsentwicklungsplan. Dazu sollen 2022 auch Workshops mit Bürger*innen stattfinden. Mit Blick auf den Klimaschutz sagte Jacobs: „Wir denken aber auch daran, welche Flächen wir gerade nicht bebauen sollten.“ Außerdem stellte er das Integrierte Energetisches Quartierskonzept Stader Altstadt vor, in dessen Rahmen beispielsweise Mittels einer Eigentümerbefragung Erkenntnisse zur energetischen Gebäudequalität gewonnen werden sollen und eine Analyse der Mobilität erstellt sowie Wärmepotentiale und der Einsatz von erneuerbaren Energien erfasst werden sollen. Die Arbeiten werden eng abgestimmt mit den übrigen Fördermaßnahmen zur Entwicklung und Stärkung der Stader Altstadt in der Regie des Fachbereichs IV. Darüber hinaus stellte Jacobs unterschiedliche Straßenbaumaßnahmen vor, zu denen auch die verkehrliche Anbindung des im Bau befindlichen Bildungscampus Riensförde – selbst mit 70 Millionen Euro das teuerste Investitionsprojekt der Stadtgeschichte – mittels Kreisel, Bushaltestelle und Unterführung in dem Bereich vorhandener Zuggleise gehört.
Fachbereich IV: Stadtplanung und Hochbau (Leitung: Jens Bossen)
Zahlreiche Vorhaben stehen auch beim im vergangenen November neu geschaffenen Fachbereich „Stadtplanung und Hochbau“ auf dem Plan. So werden Bebauungspläne, insbesondere „Riensförde-Ost“ und für den geplanten Surfpark, bearbeitet und das Vorhaben des Baus eines Terminals für flüssige Energieträger, wie LNG und perspektivisch Wasserstoff, im Stader Hafen begleitet. Außerdem beschäftigt das niedersächsische Förderprogramm Perspektive Innenstadt zur Bekämpfung der Folgen der Coronavirus-Pandemie den Fachbereich. Dessen Leiter, Jens Bossen: „Da haben wir viel zu tun. Wir sprechen hier schließlich über ein Investitionsvolumen von 1,2 Millionen Euro – bei einer 90-Prozent-Förderung. Die geplanten Maßnahmen müssen bis Juni kommenden Jahres umgesetzt sein.“ So sollen beispielsweise Co-Working-Spaces geschaffen und das Wassertourismuskonzept der Hansestadt Stade weiterverfolgt werden. Darüber hinaus wird die Altstadtsanierung im laufenden Jahr richtig Fahrt aufnehmen, so Bossen: „Wir haben bereits zahlreiche Gespräche mit Immobilienbesitzern geführt, die sich für einen Zuschuss aus der Städtebauförderung für die Sanierung ihrer Immobilien interessieren. Ich bin mir sicher, dass wir dieses Jahr erste Baumaßnahmen sehen werden.“ Es gehe darum, die Altstadt zukunftsfähig zu machen. „Das ist wichtig, denn die Altstadt ist identitätsstiftend in Stade.“
Fachbereich V: Bildung und Soziales (Leitung: Birgit Pergande)
Stade wächst – das stellte bereits Nils Jacobs, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung und Infrastruktur, fest. Daher braucht die Stadt mehr Kindertagesstätten und Schulen. Die für Bildung und Soziales zuständige Fachbereichsleiterin Birgit Pergande stellte die aktuellen Projekte vor: So wurde Ende Januar die Krippe in Bützfleth eingeweiht, im Mai wird die neue Kita Schölischer Wiesen eröffnen und dann folgen 2022 und 2023 die Kita Benedixland und die Kita im Bildungscampus Riensförde. Außerdem wird der Bau einer weiteren Einrichtung in der Salinenstraße geplant. „Damit schaffen wir in den kommenden Jahren mehr als 400 Kita-Plätze und dürften dann keine Warteliste mehr haben“, so Pergande. Auch die Schullandschaft entwickelt sich weiter: Neben dem erwähnten Bildungscampus Riensförde, wo neben der Kita auch eine Oberschule, eine Grundschule und eine Sporthalle entstehen, ging die Fachbereichsleiterin auch auf Umbaumaßnahmen bei der Realschule Camper Höhe sowie den Grundschulen am Bockhorster Weg, in Campe und bei der Montessori Grundschule ein. Außerdem sollen Schulwege sicherer gemacht, die Kita-App zur Kommunikation zwischen Einrichtung und Eltern sowie die Online-Anmeldung für Kita-Plätze weiterentwickelt werden. Bei der städtischen Jugendarbeit sollen Beteiligungsprojekte, wie beim derzeit geplanten Dirtpark, verstärkt in den Fokus rücken und junge Bands sollen mit dem Workshop- und Konzert-Programm „Heimspiel“ gefördert werden.