Wo kann die Hansestadt Stade künftig mittels Wärmenetzen versorgt werden und wo sind andere Formen der Energieversorgung notwendig, um klimafreundlich zu heizen? Das soll die kommunale Wärmeplanung zeigen© Martin ElsenDas Niedersächsische Klimagesetz schreibt Kommunen vor, bis Ende 2026 einen kommunalen Wärmeplan ausgearbeitet zu haben. Die Hansestadt Stade wird deutlich schneller sein und plant, diesen bereits in der zweiten Jahreshälfte 2024 vorzulegen. Bürgermeister Sönke Hartlef: „Die Bundesregierung sieht in ihrem aktuellen Entwurf des Gebäudeenergiegesetzes vor, dass fossile Heizungen bis Ende 2044 betrieben werden dürfen. Bei einem zukünftigen Heizungsaustausch werden voraussichtlich Vorgaben bezüglich des Anteiles an erneuerbarer Wärme zu erfüllen sein. Die Menschen fragen sich, wie sie das in ihren Immobilien bewerkstelligen können. Da die kommunale Wärmeplanung die strategische Grundlage für die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung bildet, wollen wir sie möglichst zeitnah präsentieren, um den Menschen Planungssicherheit zu geben.“
Dem stimmt Stades Klimaschutzmanager Matthias Mueller zu, der jede Woche mehrere Anrufe von Interessierten erhält, die sich nach der kommunalen Wärmeplanung erkundigen: „Insbesondere Eigentümer von älteren Bestandsgebäuden stellen sehr häufig die Frage, wann mit den Ergebnissen der Wärmeplanung zu rechnen ist oder ob schon konkrete Zeithorizonte zur Umsetzung für Wärmenetzprojekte bekannt sind.“
Die Hansestadt Stade hat wegen der enormen Bedeutung des Themas bereits im vergangenen Jahr eine entsprechende Ausschreibung durchgeführt. „Seit Februar dieses Jahres arbeiten wir mit einem Fachbüro zusammen und werden in der zweiten Jahreshälfte 2024 die kommunale Wärmeplanung vorlegen“, sagt Mueller und ergänzt, dass es der Stadt wichtig gewesen sei, frühzeitig einen solchen Auftrag zu erteilen, da in den kommenden Jahren 11.000 Kommunen bei steigendem Arbeitskräftemangel entsprechende Fachbüros suchen würden. Mit eingebunden in den Prozess sind Stadtwerke, Industrie, Gewerbe, Wohnungswirtschaft und Bürger*innen.
Was aber leistet die kommunale Wärmeplanung? Das erklärt Bürgermeister Sönke Hartlef: „Die kommunale Wärmeplanung wird Aufschluss darüber geben, wo in der Hansestadt Stade die Möglichkeit besteht, Gebäude aus einer lokalen, klimafreundlichen Wärmequelle mit einem Wärmenetz zu versorgen. Diese lokalen Quellen – das können beispielsweise Geothermie, Biomasse oder Umweltwärme aus Oberflächengewässern sein – ausfindig zu machen und auf ihr technisches Potential zu überprüfen, ist wichtig, weil Wärme sich nicht verlustfrei über größere Distanzen transportieren lässt.
In Zukunft werden die Staderinnen und Stader also wissen, ob ihre Immobilie potenziell an ein solches Wärmenetz angeschlossen werden kann. Wie geht es dann weiter? „Niemand wird gezwungen, seine funktionsfähige Heizung auszutauschen“, beruhigt der Bürgermeister. Dort, wo die Möglichkeit besteht, ein Nahwärmenetz aufzubauen, kann die Stadtverwaltung dies ausschreiben. Findet sich ein Unternehmen, das investieren möchte, dauert es noch bis die Umsetzung tatsächlich abgeschlossen ist. „Wer in dieser Zeit seine Heizungsanlage tauschen muss, kann unter bestimmten Bedingungen auf Übergangslösungen zurückgreifen, bis dann die klimafreundliche Wärmeversorgung möglich ist“, so Mueller. Dort, wo ein wirtschaftlicher Betrieb von Wärmenetzen nicht möglich ist, wird der kommunale Wärmeplan konkrete Vorschläge machen, welche Optionen für Einzelheizungsanlagen in dem Gebiet bestehen.
Bürgermeister Sönke Hartlef betont abschließend: „Niemand wird gezwungen, seine funktionsfähige Heizung auszutauschen. Die kommunale Wärmeplanung wird Immobilienbesitzerinnen und -besitzern in Stade ab Mitte 2024 aber zeigen, wie sie künftig ihre Heizungen klimafreundlich betreiben können – mit der Aussicht, an ein Nahwärmenetz angeschlossen zu werden, oder, wo das nicht möglich ist, mit konkreten Hinweisen und Tipps zur anderweitigen Nutzung regenerativer Energien.“
Integriertes energetisches Quartierskonzept für die Stader Altstadt
Konkrete Ansätze für eine regenerative und klimaneutrale Wärmeversorgung wurden in den letzten 14 Monaten schon für das Gebiet der Stader Altstadt erarbeitet© Hansestadt StadeKonkrete Ansätze für eine regenerative und klimaneutrale Wärmeversorgung wurden in den letzten 14 Monaten schon für das Gebiet der Stader Altstadt im Rahmen eines integrierten energetischen Quartierkonzeptes erarbeitet. Eine Nahwärmeversorgung, die zum großen Teil mit der Umweltwärme aus dem Klärwerkablauf und aus den Oberflächengewässern Schwinge und Burggraben gespeist wird, stellt hierfür einen zukunftsfähigen Ansatz dar. Eine detaillierte und umfänglichere Überprüfung, wie ein Wärmenetz für die Stader Altstadt ausgestaltet werden könnte, wird demnächst in einer Machbarkeitsstudie erfolgen. Daneben plant die Hansestadt Stade ein Sanierungsmanagement, das die Gebäudeeigentümer vornehmlich zu allen Fragen der energetischen Gebäudesanierung beraten soll. Über weitere Schritte dazu informiert die Hansestadt Stade im vierten Quartal 2023.

